Bereitstellungszinsen sind die Kosten, an die beim Vertragsabschluss niemand denkt – und die beim Neubau regelmäßig vierstellig werden. Sie entstehen, wenn dein Darlehen genehmigt ist, das Geld aber noch auf dem Konto der Bank liegt. Der Satz klingt harmlos: etwa 0,25 % pro Monat. Auf ein Jahr gerechnet sind das rund 3 % – zusätzlich zu deinen normalen Zinsen. Dieser Ratgeber zeigt, wann sie anfallen und wie du sie fast vollständig vermeidest.
Wann sie überhaupt entstehen
| Situation | Risiko | Empfohlene freie Zeit |
|---|---|---|
| Neubau | sehr hoch | 12 Monate und mehr |
| Sanierung in Bauabschnitten | hoch | 6–12 Monate |
| Kauf mit spätem Übergabetermin | mittel | 6 Monate |
| Bestandskauf, zeitnahe Zahlung | gering | 3 Monate genügen |
Beim Neubau wird das Darlehen nach Baufortschritt in Raten ausgezahlt – Bodenplatte, Rohbau, Dach, Fertigstellung. Zwischen Zusage und letzter Rate vergehen leicht 12 bis 18 Monate. Genau hier schlagen Bereitstellungszinsen zu.
Was Verzögerung kostet
Beispiel: 400.000 Euro Darlehen, nach Ablauf der freien Zeit sind noch 150.000 Euro nicht abgerufen.
- Pro Monat: 0,25 % von 150.000 € = 375 €
- Vier Monate Verzug: rund 1.500 €
- Neun Monate Verzug: rund 3.375 €
- Und das zusätzlich zur normalen Monatsrate
Handwerkermangel, Lieferengpässe, Genehmigungsverzug – Bauzeitverzögerungen sind eher Regel als Ausnahme. Wer nur drei Monate freie Zeit hat, zahlt fast sicher drauf.

Fünf Wege, sie zu vermeiden
- Lange bereitstellungsfreie Zeit verhandeln. Beim Neubau mindestens 12 Monate. Manche Banken bieten bis 24 Monate, teils gegen kleinen Zinsaufschlag – der sich schnell rechnet.
- Realistisch planen. Rechne nicht mit dem optimistischen Zeitplan des Bauträgers, sondern mit Puffer.
- Zügig abrufen. Sobald eine Bauleistung erbracht ist, den entsprechenden Teilbetrag anfordern – nicht sammeln.
- Eigenkapital zuerst einsetzen. Wer die ersten Bauabschnitte aus Eigenmitteln zahlt, ruft das Darlehen später ab. Die freie Zeit wird dann für die späteren, größeren Raten genutzt.
- Angebote gezielt vergleichen. Frag bei jedem Angebot ausdrücklich nach der freien Zeit – sie steht selten prominent im Angebot.
Der Unterschied zu normalen Zinsen
Wichtig zu verstehen: Sollzinsen zahlst du für Geld, das du bekommen hast. Bereitstellungszinsen zahlst du für Geld, das du noch nicht hast. Im ungünstigsten Fall läuft beides parallel – für den ausgezahlten Teil die reguläre Rate, für den ausstehenden Teil die Bereitstellungszinsen. Bei einem gestreckten Neubau kann die monatliche Gesamtbelastung dadurch deutlich über der kalkulierten Rate liegen.
Plane diesen Puffer ein, besonders wenn du parallel noch Miete zahlst. Wie du die Gesamtkosten realistisch aufstellst, steht unter Kaufnebenkosten.
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Häufige Fragen
Wie hoch sind Bereitstellungszinsen?
Marktüblich sind rund 0,25 % pro Monat auf den nicht abgerufenen Betrag – etwa 3 % im Jahr. Der Satz ist bei den meisten Banken ähnlich; die Unterschiede liegen in der freien Zeit.
Wann beginnt die Berechnung?
Nach Ablauf der bereitstellungsfreien Zeit, die meist mit der Darlehenszusage startet. Prüfe im Vertrag, ab welchem Datum genau gerechnet wird.
Kann ich die freie Zeit verlängern?
Bei Vertragsabschluss ja – das ist verhandelbar. Nachträglich meist nur gegen Aufschlag oder gar nicht. Deshalb vorher großzügig ansetzen.
Fallen sie auch beim Bestandskauf an?
Meist nicht, weil das Geld zeitnah in einer Summe fließt. Bei einem späten Übergabetermin oder verzögerter Kaufpreisfälligkeit können sie aber auch hier entstehen.
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