Wohn-Riester dreht die klassische Altersvorsorge um: Statt Geld für die Rente anzusparen, fließen Zulagen und Steuervorteile direkt in die Tilgung deiner Immobilie. Die Logik dahinter: Wer im Alter mietfrei wohnt, hat vorgesorgt. Der Haken kommt später – in Form einer Steuerlast, die viele bei Vertragsabschluss nicht auf dem Schirm haben. Dieser Ratgeber erklärt beides ehrlich.
Wie es funktioniert
Genutzt wird ein Riester-Bausparvertrag oder ein Riester-Darlehen. Du zahlst den geforderten Eigenbeitrag, der Staat legt Zulagen obendrauf, und Beiträge lassen sich als Sonderausgaben absetzen. Das gesamte Geld senkt deine Restschuld – du bist schneller schuldenfrei.
Wichtig für die Einordnung: Der Fördereffekt ist bei Familien mit mehreren Kindern am größten, weil pro Kind eine eigene Zulage fließt. Bei Singles oder Paaren ohne Kinder fällt er deutlich schwächer aus.
Das Wohnförderkonto – der entscheidende Punkt
Alle geförderten Beträge werden auf einem fiktiven Konto erfasst und jährlich mit 2 % erhöht. Zu Rentenbeginn wird dieser Stand versteuert – du hast dabei zwei Möglichkeiten:
| Variante | Funktionsweise | Sinnvoll bei |
|---|---|---|
| Jährliche Besteuerung | verteilt bis zum 85. Lebensjahr | niedriger Rentensteuersatz |
| Einmalbesteuerung | nur 70 % des Kontostands, auf einmal | wenn du die Einmallast tragen kannst |
Die Einmalvariante gewährt 30 % Nachlass – verlangt aber, dass du die Steuer in einem Jahr aufbringst. Das will vorbereitet sein.

Für wen es sich rechnet
Eher passend: Familien mit zwei oder mehr Kindern, weil die Kinderzulagen stark ins Gewicht fallen. Haushalte, die sicher dauerhaft selbst nutzen. Und alle, deren Steuersatz im Ruhestand voraussichtlich deutlich niedriger liegt als heute – dann ist die nachgelagerte Besteuerung ein echter Vorteil.
Eher nicht passend: Wenn ein Umzug oder Verkauf wahrscheinlich ist. Wenn du maximale Flexibilität brauchst. Oder wenn dein Ruhestandseinkommen hoch ausfallen wird – dann frisst die spätere Besteuerung einen großen Teil des Vorteils.
Die Alternative ist unspektakulär, aber solide: einfach höher tilgen ohne Förderung. Kein Wohnförderkonto, keine Bindung, keine Bürokratie – dafür auch keine Zulagen. Was höhere Tilgung bewirkt, zeigt Tilgung berechnen.
Was bei Umzug oder Verkauf passiert
Verkaufst du die Immobilie, wird der Stand des Wohnförderkontos grundsätzlich sofort fällig. Es gibt aber Auswege: Wer innerhalb einer gesetzlichen Frist in eine neue selbst genutzte Immobilie reinvestiert oder den Betrag in einen anderen Riester-Vertrag überträgt, vermeidet die sofortige Besteuerung. Diese Regelungen sind an Fristen gebunden – im Verkaufsfall gehört das früh geklärt.
Zur diskutierten Reform
Eine Reform der Riester-Förderung ist politisch angekündigt, die konkrete Ausgestaltung steht aber nicht fest. Wir nennen hier bewusst keine künftigen Zahlen oder Stichtage. Was sich sagen lässt: Bei bisherigen Reformen der Altersvorsorge galt durchgehend der Grundsatz des Vertrauensschutzes – bestehende Verträge behielten ihre Bedingungen. Eine Garantie ist das nicht, aber der übliche Weg. Sobald verbindliche Regelungen vorliegen, aktualisieren wir diesen Beitrag.
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Häufige Fragen
Muss ich das Wohnförderkonto zurückzahlen?
Nein. Es ist ein rechnerisches Konto – im Ruhestand wird der Stand versteuert, es fließt kein Kapital zurück.
Was passiert bei einem Verkauf?
Der Stand wird grundsätzlich sofort fällig. Ausnahmen gelten, wenn du fristgerecht in eine neue selbst genutzte Immobilie reinvestierst oder in einen anderen Riester-Vertrag überträgst.
Lohnt es sich ohne Kinder?
Deutlich weniger. Der Effekt kommt vor allem über die Kinderzulagen. Ohne Kinder und mit hohem Ruhestandseinkommen ist der Vorteil oft gering.
Sind bestehende Verträge von einer Reform betroffen?
Bei bisherigen Reformen galt Vertrauensschutz für laufende Verträge. Eine Garantie für künftige Gesetze ist das nicht, aber der bislang übliche Weg.
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